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Sommerwärmeverbrauch am Campus Holländischer Platz



Ausgangslage und Ziele

Der Wärmeverbrauch des Campus Holländischer Platz folgt im Jahresverlauf einem ausgeprägten Heizprofil, d.h. er ist in erster Linie von der Außentemperatur abhängig. Legt man den Fokus auf die Sommermonate Juni bis August, so zeigt sich jedoch ein konstanter, von der Außentemperatur weitgehend unabhängiger Anteil, der sich in den zurückliegenden Jahren stets auf 5-10% des Jahreswärmeverbrauchs belief.

Da es sich bei den Gebäuden des Campus um solche jüngeren Baualters handelt, ist davon auszugehen, dass dieser Sommerverbrauch nicht aus einer Gebäudebeheizung, sondern ausschließlich aus der Bereitstellung von Trinkwarmwasser (TWW) sowie evtl. vereinzelt der Deckung von Prozesswärme resultiert. Dabei wird davon ausgegangen, dass in den Sommermonaten kein Heizwärmebedarf in den Gebäuden vorhanden ist, so dass alle Gebäude ohne zentrale TWW-Bereitung überhaupt keinen Wärmebedarf aufweisen. Die zum Teil in diesen Gebäuden trotzdem vorhanden Wärmeverbräuche sind somit unnötig und werden als Verlust bewertet. Hinsichtlich der TWW-Bereitung sind vor allem Gebäude mit zentraler TWW-Bereitung für die Betrachtungen relevant, da hier große Zirkulationsverluste entstehen und die Wärme vom Fernwärmenetz bezogen wird. Erste Untersuchungen zum Warmwasserbedarf einzelner Gebäude mit zentraler TWW-Bereitung zeigen, dass ein Großteil des Sommerwärmeverbrauchs auf Bereitstellungsverluste im Nahwärmenetz und auf Verluste der TWW-Zirkulation zurückzuführen ist. Es ergibt sich die Fragestellung, ob es möglich ist, das Nahwärmenetz in den Sommermonaten außer Betrieb zu nehmen und somit die Wärmeverluste und darüber hinaus den Pumpenstrom für die Verteilung signifikant zu reduzieren.

 
                                Ins Nahwärmenetz eingespeiste Wärmeenergie am Campus Holländischer Platz im Jahresverlauf

Ergebnisse

Die Auswertung der Zählerdaten für den TWW-Verbrauch ergab, dass in den Monaten Juni bis August  etwa 250..350 m³ pro Monat TWW in den Gebäuden benötigt werden. Davon entfallen über 90% auf die Gebäude K10 und die drei Studentenwohnheime. Die drei Technikgebäude hingegen haben mit 250..300 l/d einen deutlichen niedrigeren Warmwasserbedarf, der eher auf dem Verbrauchsniveau eines Einfamilienhauses liegt. Für die Betriebstechnik ist gleiches zu vermuten. Eine zentrale TWW-Bereitstellung in diesen Gebäuden ist unzweckmäßig und unwirtschaftlich.

Insgesamt wäre nur ein Bruchteil der in das Netz eingespeisten Wärme für die eigentliche TWW-Bereitung erforderlich – die Untersuchungen zeigen, dass über 90% der eingesetzten Wärme verloren geht (vgl. Abbildung unten). Im Untersuchungszeitraum Juni - August 2010 haben diese Verluste Kosten in Höhe von etwa 48.000 € verursacht, die bei einer dezentralen Bereitstellung der Wärme nicht angefallen wären. Aus der Analyse der Verbrauchsdaten für den TWW- wie auch für den Wärmeverbrauch lassen sich folgende Empfehlungen ableiten:

  1. Für die Technikgebäude und wahrscheinlich auch für die Betriebstechnik ist eine dezentrale Lösung der TWW-Bereitung in Form von elektrischen Durchlauferhitzern oder Boilern an Verbrauchsstellen, wo wirklich Warmwasser benötigt wird, dringend zu empfehlen.
  2. Für die Gebäude K10 und die drei Studentenwohnheimen erscheint es ebenfalls sinnvoll, den Warmwasserbedarf dezentral in den Gebäuden zu erzeugen. Hierfür würde sich die Installation von solarthermischen Anlagen anbieten, die von den Gestehungskosten höchstwahrscheinlich mit der derzeitigen TWW-Bereitstellung konkurrieren können. Hierzu müssten jedoch die vorhanden Dachflächen und deren Statik sowie die Möglichkeiten der hydraulischen Integration überprüft werden.
  3. Darüber hinaus sollte untersucht werden, ob das Nahwärmenetz in den Sommermonaten komplett außer Betrieb genommen werden kann. Erste Untersuchungen zeigen zwar, dass auch Gebäude ohne zentrale TWW-Bereitung im Sommer einen nicht unerheblichen Wärmeverbrauch aufweisen. Angesichts des relativ jungen Baualters erscheint es allerdings fraglich, ob überhaupt ein „berechtigter“ Heizwärmebedarf in den Gebäuden vorhanden ist. Dies ist Bestandteil weiterer Untersuchungen.
 
Energieflussdiagramm für den Wärmeverbrauch am Campus HoPla im Zeitraum Juni bis August 2010
 

 



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